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Blumen und die Liebe gehören einfach zusammen. Besonders schön sehen wir das bei Hochzeiten, denn eine echte Märchenhochzeit kommt ohne Blumen gar nicht aus. Da leuchten beim Hochzeitsmahl wunderschöne Gestecke auf den Tischen, die Autoantennen sind mit Blumen geschmückt und natürlich ist der Brautstrauß das wichtigste Accessoire von allen, denn er hat eine ganz besondere Bedeutung! Aber wieso sind Blumen für die Liebe so wichtig? Und wieso stehen sie auf jeder Liste für die Hochzeitsvorbereitung ganz oben?

Blumen sind viel mehr als nur bunte Pflanzen

Die Symbolik der Blumen hat genau so eine lange Geschichte wie ihr Wert. In früheren Jahrhunderten waren frische Blüten nur in bestimmten Jahreszeiten und Regionen verfügbar. Rosen im Winter waren damals für die Menschen unvorstellbar, aber mit der Erfindung der Gewächshäuser wurden sie immerhin schon mal zu einem Luxusartikel, von dem junge Frauen träumten. Wenn wir an die Zeiten von Jane Austen zurückdenken und uns ihre Heldinnen in den romantischen Empire-Kleidern mit ihren blumengeschmückten Hauben vorstellen, wird klar, welchen Stellenwert Blumen einmal hatten.

Denn Blumen waren nicht nur der schönste Schmuck, sie wurden auch von Kavalieren geschickt! Und ein Kavalier, der es sich leisten konnte, einen Gärtner und ein Gewächshaus auf seinem Anwesen zu unterhalten, war durchaus ein interessanter Kandidat zum Heiraten! Blumen geschenkt zu bekommen, war also für jedes junge Mädchen eine Auszeichnung, die einem Orden gleichkam. Denn es bewies, dass ein Kavalier ernsthaftes Interesse an ihr hatte. Heute kann sich natürlich jede emanzipierte Frau ihre Blumen selbst kaufen, die Symbolkraft dieses wunderschönen, blühenden Geschenks ist aber bis heute ungebrochen. Wer Blumen verschenkt, verschenkt ein Kompliment, Wertschätzung und Freude.

Die Sprache der Blumen und die Sprache der Liebe

Wer sich mit der Sprache der Blumen nicht auskennt, kann ganz leicht in einem peinlichen Fettnäpfchen landen. Denn viele Blumen haben eine bestimmte Bedeutung, die für frühere Generationen so eindeutig waren wie heute eine Textnachricht. Fast in jedem Haus gab es ein Büchlein, in dem man die Bedeutung einzelner Blumen nachschlagen konnte, aber oft war das gar nicht notwendig. Denn bei manchen Blumen, wie dem Vergissmeinnicht, hört man ja schon am Namen, welche Bedeutung das Sträußchen hat! Auch die Farben einzelner Blumen sind Teil dieser Sprache und dass rote Rosen für leidenschaftliche Liebe stehen, wissen wir auch heute noch ohne Nachschlagewerk! Aber wie sieht es mit den beliebtesten Schnittblumen eigentlich genau aus, für welche Bedeutung stehen sie? Und sprechen Blumen wirklich immer nur von Liebe?

Selbst die Liebe hat ja viele Facetten und diese lassen sich auch durch die Blume ausdrücken! Die rote Rose steht natürlich für die leidenschaftliche Liebe, aber wie ist es mit anderen Formen dieses vielfältigen Gefühls? Die Margerite sagt: »Ich hab dich lieb, weil du mich so glücklich machst!«, die rote Nelke spricht von inniger Liebe, die weiße Nelke dagegen gibt den kecken Hinweis, dass jemand noch zu haben ist. Die Schlüsselblume bittet um den Schlüssel zum Herzen der Angebeteten und die Dahlie sagt: »Sorry, ich bin schon vergeben!« Das Geißblatt dagegen versichert freundschaftliche Verbundenheit.

Auch ganz andere Botschaften lassen sich mit Blumen übermitteln! Mit dem Blaustern können wir um Verzeihung bitten, wenn wir einsehen, dass wir einen Fehler gemacht haben. Mit der fröhlichen Dotterblume kündigen wir einen baldigen Besuch an und mit der Freesie können wir sagen, dass wir unbeschwerte Freude unbedingt mit einem lieben Menschen teilen wollen! Selbst negative Botschaften wurden früher mit Blumen charmant verschlüsselt, was aber nichts an ihrem Inhalt änderte. Der Flieder drückt die bange Frage aus, ob der Empfänger auch treu sein wird, auch die Aster drückt Zweifel an der Treue des Partners aus. Die Kapuzinerkresse sagt sogar offen: »Ich trau dir nicht!«, noch heftiger ist die Botschaft der so hübschen und zarten Akelei, denn sie beschimpft den Empfänger als Schwächling – natürlich durch die Blume. Das Tausendgüldenkraut ist ein Vorwurf an Menschen, die nur auf das Geld des Angebeteten aus sind und am schlimmsten trifft es wohl den Empfänger der gelben Nelke, denn diese Blume sagt: »Ich verachte dich!«

Wieso ausgerechnet Blumen für die Sprache der Liebe stehen

Wie die Sprache der Blumen genau entstanden ist, lässt sich heute nicht mehr nachweisen, es ist aber eine Tatsache, dass eine englische Lady im frühen 18. Jahrhundert den Orient bereiste und die Sprache von dort nach Europa brachte. Sofort waren alle Liebenden völlig entflammt von dieser romantischen Möglichkeit, heimliche Botschaften auszutauschen. Denn verliebte Paare hatten es ja damals viel schwerer als heute! Ein Date zu zweit hätte schließlich einen Skandal ausgelöst und die Anstandsdamen abzuschütteln war ein Ding der Unmöglichkeit. Liebesgeflüster fand also »durch die Blume« statt. Was der heutige Messenger auf dem Handy ist, war damals der Blumenstrauß. Vor allem erlaubten diese Emojis des 18. Jahrhunderts auch schüchternen Liebhabern, Botschaften zu übersenden, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Denn wenn eine junge Dame auf einen Strauß, der von Liebe sprach, mit einem hochmütigen oder sogar abweisenden Lächeln reagierte, war klar, dass ein Heiratsantrag nicht erwünscht war.

Wieso sind Blumen für Liebende so faszinierend?

Der amerikanische Schriftsteller Ralph Waldo Emerson bezeichnete Blumen als das Lächeln der Erde. Vielleicht empfand er Blumen als ein Lächeln, weil sie uns selbst zum Lächeln bringen. Niemand kann diesen kleinen Wundern der Natur wirklich widerstehen, farbenfrohe Blüten bringen einfach jeden dazu, dieses Lächeln der Erde zu erwidern. Blumen stimmen uns durch ihre sanfte Ausstrahlung freundlich und sind als Mitbringsel immer passend. Weil sie Boten des Frühlings und des Sommers sind, zaubern sie auch gerade in der dunklen Jahreszeit Licht und Freude in jeden Raum. Vor allem aber sind sie so zart wie Gefühle. Daher gehören sie zu jeder Brautwerbung heute einfach noch dazu. Und natürlich dürfen sie einfach bei keiner Hochzeit fehlen!

Und was hat es mit dem Brautstrauß auf sich?

Der Ursprung des duftenden Brautstraußes ist gar nicht romantisch, wie wir uns das heute vorstellen. Denn es ging, nun ja, darum, den doch eher strengen Geruch der feinen Gesellschaft zu überdecken. Zur Zeit der Renaissance galten in Europa andere Sitten als heute. Sich zu waschen, war keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Standesfrage. Das arbeitende Volk hatte eben nur Wasser, um sich zu waschen. Beim Adel dagegen galt es – heute zum Glück unvorstellbar – als vulgär und sogar ungesund, sich zu waschen.

Wer er sich leisten konnte, überdeckte Körpergerüche eben mit Unmengen von Parfum. Auch die Kleidung des Adels war damals eher prunkvoll als frisch gewaschen und so waberten durch die festlich geschmückten Säle der Schlösser Duftwolken, die wir zum Glück heute in Kostümfilmen nicht riechen müssen. Enge Korsetts gehörten natürlich genau so zur Tagesordnung wie dichte Weihrauchwolken in der Kirche – es war also kein Wunder, dass so manche junge Braut am Altar grün anlief und in Ohnmacht fiel. Um den Bräuten Ohnmachtsanfälle zu ersparen, bekamen sie dann eben einen frisch duftenden Strauß, den sie sich vors Gesicht halten konnten, bevor ihnen die Sinne schwanden.

Der Brautstrauß heute: Symbolkraft und Tradition

Von der Renaissance bis heute ist natürlich viel passiert und der Brautstrauß hat längst die ganze Welt erobert. Eine Braut ohne Strauß ist so gut wie nackt. In vielen Ländern sind die Sitte, der Braut einen Strauß zu binden und die Blumensprache auch miteinander verschmolzen. Kräuter, die seit Urzeiten eine bestimmte Symbolik haben, erleben im Moment auch im Brautstrauß ein Comeback. Die Myrte als Pflanze der Liebesgöttin Venus ist nie verkehrt, der duftende Rosmarin verspricht Treue und viele Kinder, Basilikum ist eine Schutzpflanze gegen Unheil und der Thymian gibt der Tradition nach Mut, sich den Aufgaben des Ehelebens zu stellen. Vor allem aber duften Kräuter im Brautstrauß hinreißend und sehen in Kombination mit üppigen Blüten einfach wunderschön aus. Sie können also auch in Kränze, Girlanden und die Tischdekoration eingeflochten werden.

Einer alten Tradition nach ist der Brautstrauß ein Geschenk des Bräutigams an die Braut. Das bedeutet natürlich, dass dem Bräutigam auch die Aufgabe zukommt, den Brautstrauß auszuwählen. Und es kommt sogar noch schlimmer! Denn als einzige Beraterin darf er – wenn es traditionell zugeht – nur seine Mutter mitnehmen zum Floristen. Dass es Schwiegermütter gibt, die den Strauß passend zur Pollenallergie der zukünftigen Schwiegertochter auswählen, ist mit Sicherheit ein Gerücht. Dass Bräute bei der Auswahl dieses ganz besonderen Straußes gern mitreden wollen, ist aber mit Sicherheit keins.

Schließlich soll am schönsten Tag im Leben alles perfekt sein – und dazu gehört auch, dass der Brautstrauß zum Kleid, zum Make-up, zur Frisur, zum Farbkonzept der Dekoration, kurz zum Stil der gesamten Hochzeit einfach passt. Glücklicherweise kann man Brautsträuße heute sogar schon online auswählen und vorbestellen. Bräute, die nicht ganz auf die Tradition verzichten wollen, können ihren Schatz dann ja einfach schicken, um ihn abzuholen – und darf die Schwiegermama dann auch mit!

Alle Singlefrauen aufstellen: Wer den Strauß fängt, wird die nächste Braut!

Das Werfen des Brautstraußes ist eine weltweit verbreitete Sitte, von der niemand mehr weiß, wo sie eigentlich entstanden ist. Die Bedeutung ist aber auf der ganzen Welt gleich: Die unverheiratete Frau, die den Strauß fängt, tritt als nächste vor den Traualtar. Statistische Zahlen gibt es wohl nicht, trotzdem können selbst hartgesottene Skeptiker sich diesem Aberglauben nicht ganz entziehen. Schließlich ist eine Hochzeit ein magischer Tag, an dem überall Liebe in der Luft schwebt und Glück ist bekanntlich ansteckend. Traditionell wirft die Braut den Strauß über die Schulter, um auch sicher dem Schicksal zu überlassen, wer ihn fängt.

Heute gestalten viele Paare den schönsten Tag im Leben aber ganz individuell nach ihren eigenen Wünschen und so gibt es auch beim Brautstrauß werfen Alternativen zur klassischen Tradition. Die Braut kann den Strauß einfach überreichen, etwa an eine Freundin, die bereits selbst ihre Hochzeit plant. Oder der Strauß wird einfach aufgeteilt und als Dank an alle Freundinnen verteilt, die bei den Hochzeitsvorbereitungen geholfen haben. Viele Bräute wollen den schönen Strauß auch verständlicherweise trocknen und als Erinnerungsstück behalten. Dann empfiehlt es sich, für das Brautstrauß werfen einen zweiten Strauß binden zu lassen, der denselben Zweck erfüllt.