loader image

Die Geschichte der nachhaltigen Kommunikation durch Aufzeichnungen aller Art ist wohl fast so alt wie die Geschichte der Menschheit selbst. Nachhaltige Kommunikation bedeutet, dass wir etwas hinterlassen wollen, dass wir uns und unsere Gedanken in Form von Zeichnungen und Schriften ausdrücken und sie an andere weitergeben. Diese anderen sind unsere Zeitgenossen und/oder auch die Nachwelt. Dieses Bedürfnis scheint tief in uns verankert zu sein, denn die ersten Felszeichnungen in Europa sind bereits rund 40.000 Jahre alt: Sie finden sich in der Höhle Cueva del Castillo nahe Puente Viesgo in Kantabrien (Spanien). Es gibt unzählige weitere Höhlenmalereien und auch frei liegende Felszeichnungen. Sie alle zählen zur bildenden Kunst, die sich als Kommunikationsform lange vor der Schrift entwickelt hat. Dazu gehören auch zahlreiche Artefakte, die die Archäologen gefunden haben, beispielsweise Statuetten und Statuen. Diese wurden teilweise für rituelle Zeremonien verwendet und stellen damit ebenfalls eine Form der sprechenden Darstellung dar.

Wie wir von vielen Kulturen wissen (unter anderem von den Aborigines in Australien), wurden die Gesetzmäßigkeiten, die Traditionen, geheimes Wissen und die Geschichten des Volkes mündlich durch die Generationen weitergegeben. Schriftliche Quellen, wie wir sie heute kennen, existierten nicht. Das bedeutet auch, dass sich die Inhalte der Überlieferungen immer wieder änderten; ein Phänomen, das wir noch heute im Kinderspiel „Stille Post“ erkennen können: Je mehr Menschen die Geschichte weitererzählen, umso mehr wandeln sich die Informationen. Mit der Entstehung der Schrift wurden diese dann festgehalten und für Ewigkeiten bewahrt. Das verhinderte allerdings nicht, dass es Geschichtsklitterung gab. Darunter verstehen wir die willentliche Veränderung der Inhalte, um beispielsweise unerwünschte Personen quasi aus der Historie zu streichen oder Sachverhalte anders darzustellen, als sie sich wirklich ereignet haben. Wir kennen dies bereits aus der Zeit der großen Pharaonen, die die in Stein gemeißelten Namenskartuschen ihrer Vorgänger teilweise haben ausmerzen lassen.

Nach unserem aktuellem Wissen waren es die Sumerer, die zum ersten Mal eine Schrift (Keilschrift) verwendet haben. Damit sind wir im vierten Jahrtausend vor Christus. Gleichzeitig haben sich, so der Stand der Forschung, weltweit wohl mehrere Schriften gleichzeitig entwickelt. Offenbar hatte die Menschheit einen Entwicklungsgrad erreicht, an dem sich die Notwendigkeit für eine Schriftsprache offenbart hat. Die Bedeutung dieser Schriften für die damaligen Völker kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Über die plakative Bildsprache hinaus war es nun möglich, Informationen auf andere Weise weiterzugeben. So entwickelte sich bei den alten Ägyptern eine Bildsprache, die Hieroglyphen, auch die chinesische Schrift zeigt bis heute sprechende Symbole.

Nach der Gravur in Steinmaterial entwickelten die Menschen mit der Zeit immer leichtere Unterlagen, sodass die Informationen auch einfacher transportiert werden konnten. Wir finden nach den Tontafeln der Sumerer beispielsweise Wachstafeln (Antike, circa 5. Jahrhundert vor Christus), je nach Region Bambus (China) und Papyrus (Ägypten), Pergament und sehr viel später schließlich Papier. Wachstäfelchen konnten auch bereits mit Schließen verbunden werden, eine erste Vorform unseres Buches. Sie wurden Kodex genannt.

Es war ein langer Weg bis zu unserem heutigen, schnell produzierten Papier. Die Schriftunterlagen waren teuer und kompliziert in der Herstellung. So entstanden beispielsweise Papiere aus Lumpen, die zerkleinert und gekocht wurden. Chinesen schrieben wertvolle Texte sogar auf Seide, einfachere auf Filz. Sie kannten Papier bereits im 2. Jahrhundert vor Christus, doch erst rund 1.000 Jahre später erreichte es Arabien. Es dauerte weitere gut 400 Jahre, bis es bei uns in Europa den Durchbruch schaffte.

Die Revolution der Buchherstellung

Kein Wunder also, dass Bücher bei uns im Mittelalter höchst kostbar waren. Nur die Reichen konnten sie sich leisten. Davon abgesehen war das einfache Volk kaum alphabetisiert; es konnte weder lesen noch schreiben. Es gab von einem Werk auch nicht viele Abschriften, verglichen mit unseren heutigen Möglichkeiten, denn jede Kopie wurde handgefertigt. Bekannt sind unsere Klosterstuben, in denen sich die Mönche in mühevoller Kleinstarbeit daran machten, wichtige Texte abzuschreiben. Das dauerte seine Zeit. Wer sich jemals solch ein prachtvolles Werk angeschaut hat, erkennt den Arbeitseinsatz. Es musste bei Kerzenschein und mit echten Federn (Gänsekiel, Tusche) geschrieben und je nach Werk teilweise sogar gemalt werden (Pinsel, Wasser-/Deckfarben). Wir kennen herrliche Prachthandschriften, deren Erstellung Monate und Jahre gedauert hat. Man muss sich klarmachen, dass auch die Erstellung der Farben eine aufwendige Handwerksarbeit war. Anfangs wurde auf Pergament geschrieben, dann wurden diese Einzelpapiere in einem dicken Foliant gebunden.

Als sich das Papier durchsetzte, war dies eine kleine Revolution. Die Herstellung der Bücher wurde erheblich billiger und diese konnten nun auch neue Käuferschichten erreichen. Das Bürgertum, das des Lesens kundig war, profitierte gern von dem neuen Medium. Die untersten Volksschichten blieben auch weiterhin ausgeschlossen. Noch dazu hatte nach dem Holzschnitt und dem Kupferstich nun auch der Buchdruck Einzug gehalten, auch wenn am Anfang viel experimentiert wurde (Entstehung der Inkunabeln, der sogenannten Wiegendrucke, also der ersten gedruckten Werke überhaupt). Der Mainzer Johannes Gutenberg gilt als Erfinder der Buchdruckerei; allerdings ist es richtiger zu sagen, dass er Techniken, die bereits vorhanden waren, in einer neuen Kombination zusammenfügte: die Drucktechnik, das Prinzip der beweglichen Lettern, das Handgießinstrument, eine spezielle Legierung und eine besondere Druckerfarbe in Schwarz. Auf ihn geht die Gutenbergbibel zurück, ein Meisterwerk der Druckkunst.

Nun ging die Produktion der Bücher rasant vorwärts. Unter anderem profitierte Martin Luther davon, als er seine Schriften verbreitete. Es wird gern darüber spekuliert, wie sich die Reformation entwickelt hätte, wenn es den Buchdruck noch nicht gegeben hätte. Es hätte auf jeden Fall alles sehr viel länger gedauert. Vielleicht wären die reformatorischen Ideen sogar im Sande verlaufen, auch wenn Luther ein sehr umtriebiger Mensch war. Er war nun jedenfalls in der Lage, eine Art Volksrevolution auszulösen. Für damalige Verhältnisse verbreiteten sich seine Ideen ungeheuer schnell. Und Luther war zudem sehr produktiv. Er schrieb unzählige Traktate. Gern stand er auch schon mal selbst in der Druckerei, um den Fortschritt seiner Druckwerke zu verfolgen. Nicht nur die Übersetzung seiner Bibel konnte nun alle Menschen erreichen, die lesen konnten.

Mit dem Buchdruck revolutionierten sich auch die Inhalte. Waren die Bücher vorher zu einem Großteil „höheren“ Themen vorbehalten gewesen (philosophische und wissenschaftliche Schriften, Heldenepen, Minnegesang), da sich vorwiegend Gelehrte und der Adel damit befasst hatten, kamen jetzt mehr und mehr neue Ideen auf. Es gab unter anderem einfache Erzählungen und Romane, Flugblätter, medizinische Ratgeber und religiöse Streitschriften. Die Bücher gelangten bis in die soziale Schicht der Handwerker. Und damit gab es eine weitere Revolution: die des Denkens. Wer liest, öffnet seinen Horizont und schaut über den Tellerrand seiner eigenen Existenz. Höfische und satirische Romane sowie Novellen eroberten die Herzen und veränderten das Bewusstsein der Stände und Klassen. So ist es kein Wunder, dass sich Mitte des 17. Jahrhunderts die Ideen der Aufklärung wie ein Lauffeuer verbreiteten. Hierbei ging es um die Vorherrschaft der Vernunft, um Menschenrechte und um die Veränderung alter politischer Systeme.

Der Schwerpunkt der Aufklärung lag in der Mitte bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Ohne sie hätte es, so die einhellige Meinung, keine „Bill of Rights“ in England, keine Vereinigten Staaten von Amerika und keine Französische Revolution gegeben. Natürlich wird solch eine durchschlagende Denkweise getragen von entsprechend bedeutenden Vertretern und ihren Schriften. Wir finden unter den Verfechtern unter anderem Adam Smith, Thomas Hobbes, Jean-Jacques Rousseau, Voltaire, Gotthold Ephraim Lessing, Immanuel Kant und Johann Gottfried Herder (um nur einige wenige zu nennen). Ihre Bücher wurden weit verbreitet, und so ist es kein Wunder, dass sie weltweit gelesen wurden und für Furore beziehungsweise für ein neues Denken sorgten.

Das Buch in der Moderne

Bücher, Zeitungen und Schriften aller Art waren seit der Erfindung des Buchdrucks einfacher zu haben; und sie waren über Jahrhunderte die einzige Möglichkeit, sich ausgiebig und umfassend zu informieren. Erst 1837 wurde der Morseapparat von Samuel Morse erfunden, 1876 gab es durch Alexander Graham Bell das erste Telefon und ab den 1920er-Jahren startete das Fernsehen seinen Siegeszug. Heute können wir uns kein Leben ohne Computer mehr vorstellen, ein weiteres Medium der Informationsverbreitung. Smartphones haben die Telefonie verändert, wir sind jetzt ständig erreichbar und in vielen Fällen auch gefühlt andauernd damit beschäftigt. Wir fotografieren, schicken eine SMS und mailen fast permanent. Kein Wunder, dass das Buch oft totgesagt wurde.

Jede neue Erfindung wurde gleichgesetzt damit, dass Bücher aus der Mode kommen würden. Doch nichts dergleichen ist geschehen. Weiterhin beziehen wir Zeitungen, weiterhin lesen wir Bücher. Das gedruckte Wort hat viele Vorteile, vor allem können wir es mitnehmen und in aller Ruhe im Park lesen. Es erwartet von uns nichts und ist immer parat. In unserer sich so schnell entwickelnden Welt ist es etwas, das Ruhe ausstrahlt. Immer werden wir dieselben Inhalte vorfinden, auch wenn wir das Buch jahrelang nicht in die Hand genommen haben. Ihren einst so exklusiven Stellenwert allerdings haben Bücher verloren, sofern es sich nicht um Schmuck- und Sammlerausgaben handelt. Das Buch ist zur Massenware geworden, wie uns nicht erst Joanne K. Rowling mit ihrem Erfolgswerk „Harry Potter“ gezeigt hat. Doch auf der anderen Seite zeigt sie uns auch, wie sehr wir das Buch als Medium noch schätzen. Es kann sogar zum Hypefaktor werden und uns veranlassen, mitten in der Nacht vor einer Buchhandlung anzustehen, um nur ja der Allererste zu sein, der das Werk in den Händen hält. An solchen Phänomenen ändern auch die digitalen Buchformen Tablet und E-Book-Reader nichts.

Das Buch entwickelt sich naturgemäß aktuell in seiner Form und Ausprägung nur wenig weiter, aber die Lesarten und die Macharten ändern sich. So steigt die Zahl der Bücher, die durch Selfpublishing zustande kommen: Jede Privatperson kann heutzutage ihr eigenes Buch verlegen, und zwar auf eine sehr einfache Art. Die Vermarktung steht allerdings auf einem anderen Blatt. Zudem sind digitale Bücher für eine lange Reise sinnvoll (weil nahezu gewichtslos). Doch trotz all dieser Änderungen besuchen wir weiterhin Buchhandlungen und Bibliotheken. Schon in der Antike gab es öffentliche und private Bibliotheken (nicht nur in Alexandria), und bis heute hat sich an diesem Prinzip nicht viel geändert. Sie sind ein Hort des Wissens. Nicht alles lässt sich eben über das Internet recherchieren, manches müssen wir einfach nachlesen. Es ist zudem ein sehr sinnliches Gefühl, ein Buch in der Hand zu halten und darin zu blättern. Im Gegensatz zu anderen Medien ist dieses Vor- und Zurückblättern Teil des Leseprozesses und eine schöne Erfahrung, mit der digitale Bücher nicht konkurrieren können.

Heutzutage werden jährlich mehr neue Titel produziert als jemals zuvor, jedes Jahr steigt die Anzahl. Dabei sind die Themen so breit gefächert wie unsere Lebenswelten. Wenn diese Bücher keine Käufer fänden, gäbe es auch keine Verlage mehr, die sie produzieren. Doch existieren in der Bundesrepublik immer noch rund 3.000 Verlage (Statistik des Börsenvereins 2016). Diese nutzen für ihren Verkauf nicht mehr nur den Buchhandel, sondern verkaufen auch über die eigene Homepage. Außerdem realisieren sie elektronische Bücher und erreichen auf diesem Weg neue Zielgruppen. Das Buch ist also weit davon entfernt, im Mediendschungel unserer modernen Zeit komplett unterzugehen. Es bleibt am Ball, indem es sich modernisiert hat. Auch wird bei Umfragen, beispielsweise zu Weihnachten, angegeben, dass das Buch auf der Liste der Geschenkartikel recht weit oben steht. Es „macht was her“. Es sieht gut aus und besitzt, auf die lange Lebensdauer gesehen, ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Vielleicht sollten wir noch heute einen Band zur Hand nehmen und uns in eine andere Welt entführen lassen, denn dies ist einer der Hauptaspekte, warum viele Menschen Bücher lesen.