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Mensch und Musik – eine zauberhafte Verbindung

Der Mensch beschäftigt sich schon seit vielen Jahrtausenden mit der systematischen Klangerzeugung – der Musik. Schon in der Jungsteinzeit nutzten die Menschen verschiedene Rasseln und Trommeln, die älteste erhaltene Flöte ist circa 35.000 Jahre alt. In der Wissenschaft unterscheidet man verschiedene Epochen der Musikgeschichte, deren Bedeutung für den Menschen wir im Folgenden genauer untersuchen werden. Welchen Effekt hat Musik auf uns und was sagen die verschiedenen Epochen über die Zeit, aus der sie stammen? Wie haben sich aktuelle Strömungen entwickeln können? All diese Punkte haben wir in einer ausführlichen Übersicht zusammengefasst.

Ein Ausflug in die Vergangenheit – Musikgeschichte kurz und bündig

Die Grundlagen für alle heutigen Musikinstrumente wurden bereits lange vor der Antike gelegt. Musikkultur ist deutlich älter als die Literatur und dient seit jeher zum Erzählen von Geschichten und Gefühlen. Melodien und Rhythmen halfen den Menschen, sich Wort Abfolgen zu merken und Geschichten so über Jahrhunderte weiterzugeben. Musik konnte Trancezustände während ritueller Versammlungen auslösen oder als angsteinflößendes Kriegsmittel dienen. Auch der älteste noch erhaltene literarische Text Beowulf ist ein heidnisches Hohelied, das seinerzeit mit Gesang und Tanz vorgetragen wurde.

In der Antike wurde Musik zur Philosophie – Aristoteles, Platon und der Mathematiker Pythagoras lieferten die Grundlagen für die heutige Musiktheorie. Die enge Verbindung zwischen Musik, Kunst und Dichtung wurde hier erforscht und auf der Bühne immer weiter perfektioniert. Das Komponieren wurde zur Kunst und setzte sich bis in die späte Renaissance als Königsdisziplin für Musiker und Gelehrte der Musik durch. Immer mehr Instrumente wurden entwickelt und die Töne der Orchester weiter verfeinert, gleichzeitig gehörte das Erlernen eines Instruments mehr und mehr zur Allgemeinbildung für den Mittelstand und den Adel. Gegenüber der Bühnenkunst wurden Minnegesang und Straßenmusik immer häufiger und immer beliebter. Die Liebe setzte sich schon früh als häufigstes Motiv in der Musik durch: Sänger brachten ihre Gefühle mit Musik zum Ausdruck und rührten ihr Publikum mit romantischen Klängen und Texten.

Jedes neue narrative Medium veränderte auch die Musik – erste Filmvorführungen im 19. Jahrhundert wurden in der Regel durch Orchester begleitet, ähnlich wie heutige Musicals. Die Grundsteine für die heutige Popkultur wurden hier gelegt – Schauspieler und Musiker kannte man jetzt nicht mehr nur von der Bühne, sondern von der massenkompatiblen Leinwand. Die Musik verlor ihre narrative Funktion und man stellte erstmals reine Emotionen und Vergnügen in den Mittelpunkt. In den Salons des frühen 20. Jahrhunderts wurde ausgelassen zu Musik getanzt und gefeiert, ganz ohne didaktischen Zweck. Der hohen Bühnenkunst gegenüber stand noch immer die einfache Kammermusik, die in Zeiten der Industrialisierung einen weiteren Aufschwung genoss und überall gespielt wurde.
Musik dient seit der Antike als Verständigungstool zwischen verschiedenen Kulturen. Ganz ohne Sprache kann Musik bestimmte Atmosphären schaffen und Menschen emotional beeinflussen. Die Völkerwanderungen während der Kolonialzeit trugen zur heutigen Vielfalt in der Musik bei und öffneten Türen für unterschiedlichste Musikrichtungen und Subgenres.

Musik in der Moderne

Instrumente wie Trompete, Schlagzeug und Gitarre wurden von Musikern auf der ganzen Welt kreativ genutzt. Die Instrumente sind kostengünstig und leicht nachzubauen – Strömungen wie Blues und Jazz sorgten dafür, dass immer mehr Menschen sich für Musik interessierten und kommerziell produzierten. Durch die Verbreitung von Datenträgern zum Speichern von Musik ließen sich einzelne Stücke noch leichter verbreiten und die Entwicklung wurde noch dynamischer – Musiker konnten die Ideen ihrer Kollegen und Vorgänger einfach abrufen und sich zu neuen Variationen inspirieren lassen.

Nach dem weltweiten Vormarsch afroamerikanischer Sounds veränderte Rock’n’Roll die Welt erneut. Nach dem zweiten Weltkrieg war der amerikanische Einfluss in Westdeutschland deutlich zu spüren: Auch weiße Künstler wie Elvis Presley traten mit provokanten Texten und für die damalige Zeit recht obszönem Hüftschwung auf die Bühnen der Welt und wurden zu Megastars. Die Popkultur entwickelte sich und wurde durch das neue Massenmedium Fernsehen weiter befeuert. Musikalische Genies wie die Beatles bewegten die Massen und gaben den Freiheitsbewegungen der 1970er eine Stimme – man begann, sich für die Menschen hinter den Künstlern zu interessieren und Bands wie die Rolling Stones wussten das zu ihrer Inszenierung zu nutzen.

Selbstinszenierung wurde in den 1980ern und 1990ern besonders großgeschrieben. Individuen wie Prince und Michael Jackson beeindruckten die Massen und legten den Grundstein für weitere popmusikalische Strömungen. Musik wurde zum absoluten Massenprodukt und ließ sich immer günstiger produzieren. Jackson war es auch, der Musikvideos zum Ende des Jahrtausends revolutionierte – man ging von einfachen Bühnenmitschnitten zu hochwertig produzierten Kurzfilmen über, die durch innovatives Storytelling und kunstvolle Inszenierungen und Special Effects auffielen. Der weltweit ausgestrahlte TV-Sender MTV schaffte die Industrie zur Kunst. Die Disco- und Partykultur entwickelte sich weiter – die Nachfrage für neue, tanzbare Hits stieg und die Qualität der Musik sowie das Talent der Musiker trat in den Hintergrund. Musik sollte mit Erlebnissen und Erinnerungen verknüpft werden und brauchte deshalb klare Messages und simple Strukturen.

Heute gibt es tausende verschiedener musikalischer Strömungen, die über Radio, TV und Internet frei verbreitet werden. Künstler mit und ohne Label stellen ihre Kreationen im Netz frei zur Verfügung und sorgen für eine endlose Vielfalt von Coversongs und neuen Innovationen. Neue Tonarten werden immer wieder ausprobiert und weiterentwickelt oder simplifiziert. Computertechnik verdrängt manuell gespielte Instrumente und eröffnet ganz neue Möglichkeiten durch Synthesizer – Techno und Autotune sind derzeit beliebte Spielarten der Technik. Immer wichtiger wird der nostalgische Blick in die Vergangenheit – alte Hits werden neu interpretiert und die Messages der 1970er und 1980er als Schlagworte in elektronische Sounds integriert.

Musik konnte noch nie so individuell produziert und genossen werden wie heute. Wir haben freien Zugriff auf alte Originale und können via Internet innerhalb von Sekunden zwischen dem Blues der 1930er, Beatbox-Sounds aus New York City und aktuellen deutschen Schlagern wechseln. Das Angebot ist vielfältig und lässt sich über Streaming-Dienste von Hörer zu Hörer abstimmen – so finden auch unkommerzielle Sounds ihre Hörer und vergangene Strömungen werden von Musikfans neu entdeckt.

Musik als Genussmittel und Sprachrohr

Wir leben in einer tollen Zeit für Hobbymusiker und Musikenthusiasten: Durch das Internet haben wir kostenlosen Zugriff auf Aufnahmen und Neuauflagen aus allen Epochen und können eigene Kreationen spielend leicht verbreiten. Auch Laien können sich intensiv mit einem Musiker oder einem Genre auseinandersetzen – über Verknüpfungen gelangt man schnell von einem Künstler zum Nächsten und kann immer wieder neue Sounds und Interpreten entdecken. So kann jeder Musikfan zum echten Experten werden und mit wenigen Klicks neue Erfahrungen machen.
Musik ist ein Werkzeug zum Erzeugen bestimmter Atmosphären und kommt deshalb fast überall in unserem Alltag zum Einsatz. Marken definieren sich über ihre Jingles und sogar beim Einkaufen werden wir durch bestimmte Musik beeinflusst. Den starken psychologischen Effekt von Musik genießt jeder anders: Manche Menschen möchten sich durch rhythmische Klänge antreiben lassen und ihre Hormone in Schwung bringen, während andere Musik eher zur Beruhigung und zum Nachsinnen nutzen. Jede Band, jedes Stück erzeugt eine eigene Atmosphäre mit ganz individuellen Nuancen.

Musical-Kultur

Eine moderne Fusion aus klassischen Opern und Theater ist das aus dem Amerikanischen übernommene Musical Format. Hier werden Geschichten aus Literatur und Film in großen Shows inszeniert und so auf ganz neue Weise zugänglich gemacht. Große Kino-Erfolge wie Rocky oder verschiedene Disney-Produktionen stehen Musical-Klassikern wie Tanz der Vampire und Das Phantom der Oper gegenüber. Musik, Gesang, Tanz und Bühnenkunst werden im Musical vereint. Ein Erlebnis, das sich kein Musikliebhaber entgehen lassen sollte.

Subkulturen

Jedes Event und jede Bewegung hat heute ihren eigenen Klang. Menschen definieren sich über die Musik, die sie hören und finden so zueinander. Für jede Musikrichtung gibt es weltweit eigene Festivals und Raum für Veranstaltungen. Die Musik dient als Ausdruck eines bestimmten Lebensgefühls oder transportiert ganz konkrete, oft auch politische Inhalte. Musikalische Trends verändern sich deshalb ebenso schnell wie die Gesellschaft. Was bleibt, sind herausstechende Interpreten und Songs, die unsere Kultur ebenso widerspiegeln, wie sie sie prägten. Mode, Kunst, Literatur und Musik werden in engen Zusammenhang gebracht und beeinflussen einander immer stärker. Die einzelnen Subkulturen unterliegen einem dynamischen Wandel und spalten sich immer wieder untereinander auf oder überschneiden sich.

Musik als Verbindung zwischen Generationen

Innerhalb der Familie ist es manchmal gar nicht so leicht, auf einen Nenner zu kommen und gemeinsame Interessen zu finden. Über die Musik lassen sich interessante Generationsunterschiede – und Gemeinsamkeiten – ausmachen, die Menschen mit ganz unterschiedlichem sozialem Hintergrund zusammenbringen können. Besonders interessant ist dabei der musikgeschichtliche Rückblick: Woher kommt die Musik, die ich höre? Eltern und Großeltern können interessante Antworten auf diese Frage geben. Wie hat sich diese Musik im Laufe der Zeit verändert und warum? Welche Elemente von Opas Lieblingssongs werden heute noch oder wieder in der Musik genutzt? Die Antworten auf diese Fragen sind so individuell wie die Menschen selbst und geben viel Aufschluss auf ihre Gedanken- und Erlebniswelt.

Der Soundtrack des Lebens

Jeder Mensch sammelt im Laufe seines Lebens bestimmte Songs und Künstler an, die ihn besonders rühren und fast schon Teil der eigenen Persönlichkeit sind. Das kann durch die ganz bewusste Auseinandersetzung mit einem bestimmten Stoff passieren, oder durch Erinnerungen, die im Laufe der Zeit mit den Songs verknüpft wurden. Im Internet stellen die Menschen sich ihre Musiksammlungen selbst zusammen und hören nur das, was sie persönlich bewegt. Trotz der großen Vielfalt stirbt die Massenkultur dabei nicht aus – im Gegenteil inszenieren sich Musiker heute nicht mehr nur über ihre Kunst auf der Bühne, im Studio und in Musikvideos, sondern machen ihr ganzes Leben zum Konsumgut für andere und nehmen großen Einfluss auf unser gesamtes Leben. Jedem steht frei, auf welche Art und Weise er sich mit Musik auseinandersetzen möchte – sicher ist nur, dass die Musik unsere Identität noch stärker prägt als früher und ein wichtiger Faktor im Leben nahezu jedes modernen Menschens ist.