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Die Geschichte des Reisens ist so lang wie die Geschichte des Menschen. Schon immer sind Menschen von A nach B gereist, und das nicht nur aus Not, Zwang, Kriegs oder Geschäftsgründen. Auch in altertümlichen Gesellschaften reisten diejenigen, die es sich leisten konnten, an wichtige historische Stätten und landschaftlich bezaubernde Orte. Und heutzutage gibt es geradezu einen richtigen Reiseboom. Sehr viele Menschen, vor allem aus Industrieländern, lernen viele Teile der Welt kennen und sammeln tolle, neue Erfahrungen in fremden Ländern. Das Reisen gehört mittlerweile fest zum Alltag und ist sozusagen zu einer spannenden Gewohnheit geworden.

Doch was ist es, was uns so sehr am Reisen fasziniert? Welcher Impuls bewirkt, dass wir das Altbekannte hinter uns lassen und neue Horizonte erschließen?

Das Abenteuer

Reisen bedeutet, dass wir uns für eine Weile von Gewohnheit, Trott und Alltag lossagen und neue Wege erkunden. Jeder, dessen Tage sich größtenteils gleichen, wird sich irgendwann zwangsläufig die Frage stellen: Ist das alles? Gibt es mehr? Und muss ich das sehen?

Das Leben kann darüber hinaus beschwerlich sein. Nicht nur offensichtliche Miseren wie Krankheit oder Armut beschweren das Leben. Auch ein an sich wunschlos glückliches Leben kann sich irgendwann wie ein Gefängnis anfühlen. Die Routine macht, dass wir abstumpfen und uns geradezu in unserem Stumpfsinn gefangen fühlen. Wir fühlen uns, als müssten wir den Ballast abwerfen und einfach mal davonlaufen. Es entsteht eine Abenteuerlust, die nur durch eine lange Reise gestillt werden kann.

Abenteuer gibt es jederzeit und überall. Wenn man sich jedoch immer nur in den selben Sphären bewegt, kennt man die heimischen Abenteuer bereits oder findet sie zu langweilig/uninteressant, um sie zu erkunden. Eine Reise hält dagegen immer etwas Neues bereit. In den meisten Fällen ist es die Aussicht auf Abenteuer, welche die Menschen vom heimischen Sofa reißt und sie in die Welt hinaus schickt.

Das Abenteuer kann auf verschiedene Arten beginnen. Vielleicht kehrt ein Verwandter oder ein Freund von einer Reise zurück und berichtet von den spektakulären Ereignissen. Möglicherweise sieht man eine Reportage über ein bestimmtes Land, eine bestimmte Region oder eine bestimmte Kultur und ist wie versessen darauf, das Gesehene auch wirklich aus der Nähe zu betrachten. Manch einer geht ins Kino und sieht einen Film, dessen Handlung an einem fantastischen Drehort spielt. Was letzten Endes die Abenteuerlust bei uns hervorruft, kann ganz verschieden sein. Ist sie jedoch einmal geweckt, gibt es bei den Abenteuerlustigen nur noch eine Devise: Schnell fort von hier und auf ins Abenteuer.

Der Austausch mit fremden Kulturen

Die Geschichte der Menschheit wird vom Austausch einander fremder Kulturen bestimmt. Erst in der fruchtbaren Kommunikation miteinander konnte die Menschheit als Ganzes voranschreiten. Errungenschaften wurden transferiert, Waren gehandelt und Weltanschauungen geteilt. Das Ergebnis ist der hochkomplexe, spannende Schmelztiegel namens Erde.

Einzelpersonen fehlt der Austausch mit fremden Kulturen jedoch oftmals. Viele Menschen bleiben ihr Leben lang im nächsten Umkreis, ohne über den Tellerrand hinauszuschauen. Dabei gibt es so viele interessante alternative Lebensweisen auf der Welt. Menschen in anderen Ländern sprechen andere Sprachen, haben andere Sitten und vielleicht sogar völlig unterschiedliche Perspektiven auf das Leben. Diese Exotik wirkt anziehend. Nicht umsonst gibt es den Ausdruck „Fernweh“.

Wir sehnen uns danach, die Bilder aus dem Fernsehen wirklich zu erleben, mit den Menschen in Kontakt zu treten und uns mit ihnen über das Leben auszutauschen. Gleichzeitig fühlen wir vielleicht den Impuls, fremden Kulturen etwas von unseren eigenen Lebensweisheiten mitzugeben, um sie positiv zu beeinflussen. Der wechselseitige Einfluss führt dazu, dass wir die Dinge nicht nur von einer Warte aus betrachten und lernen, neue Sichtweisen und Gewohnheiten zu akzeptieren und vielleicht in die eigene Weltanschauung einzubauen.

Der Austausch mit fremden Kulturen ist faszinierend und bringt uns auch in der eigenen Denk- und Handlungsweise weiter. Deswegen treibt uns die Neugierde an, auf Reisen zu gehen und den Kontakt mit bislang unbekannten oder wenig bekannten Kulturen zu pflegen.

Neue Lebenserfahrungen sammeln

Alles schon gesehen, alles schon erlebt. Manchmal fühlt man sich, als hätte das Leben nichts Neues zu bieten. Dieses Gefühl ist nicht schön und verursacht eine gewisse Müdigkeit. Jedoch kann in Wirklichkeit niemand wahrhaftig von sich behaupten, alles schon gesehen und alles schon erlebt zu haben. Die Welt ist so groß und reichhaltig, dass es immer Raum für Entdeckungen gibt. Man muss nur den Schritt hinaus wagen und sich ins große Unbekannte werfen.

Unterwegs können neue Lebenserfahrungen gesammelt werden, die uns kompletter machen und uns das Gefühl geben, da ist noch etwas, was wir erkunden müssen. Diese Kraft treibt uns dazu an, auch das nächste Hindernis noch zu überwinden. Vor allem Menschen, die eigentlich mit ihrem Leben abgeschlossen haben und sich nach neuen Impulsen sehnen, treten große Reisen an, auf denen sie frischen Wind und neuen Lebenswillen gewinnen.

Es gibt viele Wege, wieder Schwung ins Leben zu bringen. Das Reisen ist einer der beliebtesten.

Reisen zur Selbstfindung

Im gewohnten Umfeld fällt es uns oftmals schwer, uns selbst zu erkennen und über uns nachzudenken. Oftmals ist es jedoch genau das, was wir brauchen. Ein wenig Zeit und Raum, um sich über gewisse Dinge im Leben klar zu werden, z.B. die Beziehung, die Karriere oder die Zukunftsplanung. Wer bin ich und was will ich eigentlich? Diese Frage zu beantworten, ist eine Aufgabe, an der wir oftmals wegen Verpflichtungen, wenig Zeit und alltäglichen Reizen scheitern.

Eine Reise macht reinen Tisch. Sie wischt die Hindernisse hinweg und eröffnet neue Perspektiven auf die eigene Person. Wir können uns auf uns selbst besinnen und erforschen, wie wir ticken, welche Wünsche wir hegen und welche Ziele wir verfolgen möchten.

Im Anschluss an eine solche Reise kehrt man mit einem klaren Kopf in die Heimat zurück. Die Erkenntnisse können genutzt werden, um das Leben neu aufzustellen, Altbekanntes wieder richtig wertzuschätzen und die heimischen Gefilde zu genießen. Die Reise kann jedoch auch dabei helfen, herauszufinden, dass man eigentlich die ganze Zeit schon weg wollte und sein Glück an einem neuen Ort findet.

Eines ist sicher: Wer Probleme damit hat, sich selbst zu erkennen, und mit sich ins Reine kommen möchte, sollte reisen. Dabei ist nicht die Länge der Reise entscheidend. Von einem Wochenende in der Holzhütte bis zur Weltreise sollte sich die Wahl an den eigenen Vorlieben und Bedürfnissen orientieren. Wichtig ist eine Bereitschaft zur Selbsterkenntnis. Der Rest kommt von selbst.

An der Reise wachsen

Viele Reisende betrachten ihre Reisen als Herausforderung an sich selbst. Was kann ich leisten? Wo liegen meine Grenzen? Wie kann ich mich in der und der Hinsicht verbessern? Auf Reisen ist es egal, wie viel schon in den Bausparvertrag eingezahlt wurde oder wie hoch der Krankenkassenbeitrag ist. Viele Annehmlichkeiten fallen weg. Man gewinnt Freiheit. Und diese muss man auch erstmal zu nutzen wissen. Frei von Alltag und Verpflichtungen zu sein, kann auf den ersten Blick ganz schön gruselig klingen. Mit der Freiheit kommt ein hohes Maß an Eigenverantwortung.

Wir haben in vielen Hinsichten verlernt, für unser Wohl verantwortlich zu sein. Essen kaufen wir im Supermarkt, Ärzte kümmern sich um Krankheiten, Betriebe nehmen uns auf und zahlen uns Geld. Supermärkte und Ärzte gibt es auch unterwegs. Auch das Reisen kostet Geld, aber wie man mit dem Geld haushält, ob man eine ordentliche Reiseapotheke dabei hat und wo es gutes, vertrauenswürdiges Essen gibt, ist dem Einzelnen überlassen.

Das ist eine große Chance. Wir können das Reisen nutzen, um unabhängiger, eigenständiger und selbstbewusster zu werden. Eine Reise fördert das Wachstum, und zwar nicht das Wachstum in die Länge, sondern das Wachstum der Erfahrung, des Know-Hows und des Selbstwertgefühls. Deshalb sind wir bereit, die Herausforderung „Reisen“ anzunehmen. Wir möchten an der Reise wachsen, uns weiterentwickeln und möglichst als verbessertes Selbst von der Reise zurückkehren.

Weitere nette Nebeneffekte

Wer schon ein bisschen von der Welt gesehen hat, wirkt interessanter auf andere Menschen. Er oder sie kann von fernen Gegenden, erstaunlichen Erlebnissen und nicht mehr ganz so fremden Kulturen erzählen. Der Austausch von Reiserouten und Erfahrungen macht sehr viel Spaß und spornt viele Menschen an, eine neue Reise zu beginnen. Wenn man sich also langweilig findet und meint, in Gesprächen nichts zu sagen zu haben, kann eine Reise Abhilfe schaffen. Manch ein Weltreisender hat als kleiner Scharlatan angefangen, der seinen Bekannten Lügenmärchen von Großtaten erzählt hat, um interessant zu sein. Aber mal ehrlich: Von echten Großtaten und Abenteuern zu erzählen, fühlt sich doch viel schöner an.

Natürlich lernt man auf der Reise auch neue Leute kennen und knüpft Kontakte zu Menschen, die man vielleicht sonst niemals getroffen hätte. Welche großartigen Seelenverwandtschaften mögen wohl schon verpasst worden sein, nur weil man sich nicht aufgerafft hat, ein paar Schritte vor die Tür zu setzen. Auf Reisen trifft man Reisende und Einheimische und bildet mit der Zeit ein tolles Netzwerk an Kontakten außerhalb der eigenen Region auf. Dies hilft nicht nur, wenn man bei einem nochmaligen Besuch eine Bleibe sucht, sondern unterstützt einen dabei, die Region noch intensiver zu erschließen.

Nervt die Familie? Sind die Freunde lästig? Reisen können auch den gegenteiligen Effekt bewirken. Wenn die herkömmlichen Kontakte mit der Zeit als langweilig empfunden werden, zeigt einem eine Reise auf, wie sehr sie einem fehlen. Wir lernen mit genügend zeitlicher und räumlicher Distanz, unsere Lieben und unsere Freunde wieder etwas mehr wertzuschätzen. Dies ist nicht nur schön für das eigene Erleben der Heimat, sondern vor allem auch eine Erleichterung für die Freunde und Verwandten. Vielleicht ist ja zu Hause alles sehr schön. Man hat es nur nicht gemerkt.

Reisen: eine Kur für Leib und Seele

Warum wir reisen? Ein Überblick:

  • Reisen für einen klaren, ordnenden Blick
  • Reisen für mehr Selbstbewusstsein, Erwachsenwerden und tolle Geschichten
  • Reisen aus Neugierde
  • Reisen für mehr Spaß am Alltag
  • Reisen für ein breites Netzwerk interessanter Kontakte
  • Reisen für den interkulturellen Austausch
  • Reisen als Suche nach dem Abenteuer

Reisen ist ein wichtiger Teil der menschlichen Existenz. Seit es die Geschichtsschreibung gibt, sind die Menschen aus den verschiedensten Gründen gereist. Ob es sich um Reisen zur körperlichen Ertüchtigung handelt, Fernweh den Ausschlag gibt oder wir uns einfach für eine Zeit von Stress und Hektik abschotten wollen. Die Reise bietet sich als Chance an.